EPP-Scale-Modelle
Flugmodelle, die den Rahmen sprengen!

EPP-Scale heißt unsere neue Flugmodellklasse. Vorbildähnliche Nachbauten manntragender Flugzeuge - für anspruchsvolle Piloten, die das Besondere lieben.

Bei der Auswahl eines Vorbilds achten wir darauf, dass es aerodynamisch, statisch und optisch geeignet ist - EPP-Scale-Modelle sollen aussehen und fliegen wie das Original, aber robust und einfach im handling wie EPP-Modelle sein. 

Die Modelle in dieser Kategorie sind:
 

Fauvel AV36c Maßstab 1:4, 325cm, 2700g

Mini-Fauvel AV36 Maßstab 1:6, 199cm, 670g
 

In nächster Zeit kommen (bei erfolgreicher Erprobung) zwei neue EPP-Scale-Modelle dazu.  Die Prototypen befinden sich gerade im letzten Baustadium, hoffentlich können sie bald eingeflogen werden - ich freue mich schon darauf. Hier eine kurze Vorstellung der Neulinge:

Bekas
Maßstab 1:5, 250cm, ca. 1700g

ME-163B Maßstab 1:6,7, 138cm, 800g
 

Scale-Modelle aus EPP - wie, warum und überhaupt?!?

Vorbildgetreue Modelle sind die Königsklasse im Flugmodellbau - ein manntragendes Flugzeug wird maßstäblich exakt zum RC-Modell verkleinert. Der Maßstab kann 1:2 sein oder 1:200 - je nach Größe des Vorbilds und dem Anspruch an die Originaltreue des Modells. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht - eher das Gegenteil! Die Optik des Modells kann man fast immer verbildgetreu herstellen - aber sein Flugbild wird nur original wirken, wenn sich seine Flug-Geschwindigkeit im gleichen Maßstab verkleinert wie die Größe - meist fliegen die Modelle viel zu schnell, zumindest im Segelflugbereich.

"Schuld" an dieser Miesere ist die Luftströmung, die um das Profil fließt und so den Auftrieb erzeugt. Ihre Flussgeschwindigkeit wird mit der Re-Zahl  beschrieben:   Re = VFlug (in m/s) x Profiltiefe (in mm) x 70 
Durch die gleichzeitige Verkleinerung UND Verlangsamung eines Modells sinken seine Profiltiefe und die Fluggeschwindigkeit im gleichen Verhältnis >>> die Re-Zahlen des Modellflügels verringern sich im Quadrat der Verkleinerung ... zB bei Maßstab 1:3 sinken sie um das 3²= 9-fache, bei Maßstab 1:10 sogar um das 10² = 100-fache!

Darum sind echte Scale--Modellflugzeuge im Segelflug sind es oft sind es Antik-Holzflieger, meist nur wenig verkleinert und leicht gebaut. Der Bau- oder gar Reparaturaufwand ist sehr hoch, darum werden sie nur bei besten Bedingungen geflogen und bereichern leider nur selten das Flugbild am Hang. Die oft anzutreffenden Nachbauten von modernen Segelflugzeugen aus GfK sind meist Semi-Scale, bei zu hoher Modellgeschwindigkeit.

Dass "Scale" auch anders geht, beweise ich euch anhand einiger Zahlen und konkreter Modelle:

Eine manntragende Fauvel AV36 (12m Spannweite) fliegt mit ca. 70-180km/h, das sind umgerechnet ca. 20m/s bis 50m/s.

Unsere Mini-Fauvel ist maßstäblich in 1:6, ihr vorbildgetreuer Geschwindigkeits-Bereich wäre 1/6 von 20-50m/s, also ca. 3,5m/s bis 9m/s. Ihre reale Fluggeschwindigkeit liegt bei ca. 8 - 14m/s >>> die Mini-Fauvel fliegt im Vergleich zum Vorbild flott - das passt gut beim Hangflug, doch ist ihre Minimal-Geschwindigkeit zB beim Thermikkurbeln zu hoch.

Würden wir das gleiche Modell noch kleiner bauen z.B. im Maßstab 1:10 (Spannweite wäre 1,2m), sollte es auch 10-mal langsamer fliegen als das Vorbild = 2 bis 5m/s. Bei dieser Geschwindigkeit liegen die Re-Zahlen des Flügels von unter 15.000 bis max. 80.000 - aerodynamisch ist das eine Katastrophe, da funktioniert kein Profil mehr richtig (siehe Bild rechts mit den Profil-Polaren für Re=15k bis 80k) >>> das Modell müsste mit mehr als 3-facher Scale-Geschwindigkeit fliegen, was total bescheuert aussehen würde.

Betrachten wir nun die EPP-Fauvel AV36c im Maßstab 1:4:
Ihre vorbildgerechte Fluggeschwindigkeit liegt bei 5m/s bis 13m/s - genau in diesem Bereich (8-13m/s) wird die Fauvel meistens geflogen bei Re-Zahlen zwischen 60.000 und 400.000, der Gesamtauftrieb CA entspricht dabei 0,8 bis 0,3 >>> das Flugbild wirkt echt und originalgetreu.

Wie das im Flug aussieht, zeigt das Video des Prototypen (der war ohne angelenkte Seitenruder, darum giert er noch etwas im Kurvenflug), aber das Video zeigt toll die vorbildgetreue Fluggeschwindigkeit ;-).

Erkenntnis 1: Je mehr ein Flugmodell verkleinert wird, desto mehr Zugeständnisse muss man beim Flugbild machen >>> der Maßstab 1:6 scheint die unterste, aerodynamisch vertretbare Größe für Scale-Segelflugmodelle zu sein.

Leider können wir EPP-Modelle nicht beliebig groß machen: Ich wollte eine AV36 in 1:3 mit 4m Spannweite aus EPP bauen. Das Modell hätte ca. 6,5kg gewogen mit vielen Verstärkungen (in den Flügel müssten 19m CfK-Rohr als Holm) >>> durch die Hebelverhältnisse, Gewicht und Holmanordnung wäre es fast genauso anfällig wie ein Holz-/GfK- Modell - somit ist eine EPP-Bauweise in dieser Größenklasse m.E. nicht mehr sinnvoll.

Dagegen benötigt die EPP-AV36c in 1:4 trotz 3,25m Spannweite weniger als 6m CfK-Rohr im Flügel. Mein Exemplar hat im Laufe der Flugerprobung einige Crashs mit Felsen im Landefeld, Bäumen und einem steilen Gegenhang ohne bleibende Schäden überstanden. Sie ist vermutlich nicht unkaputtbar (einen Highspeed-Einschlag oder sinnfreies Ablassen aus großer Höhe würde sie vermutlich nicht schadlos wegstecken), aber merklich unempfindlicher als "normal" gebaute Flugmodelle.

Diese Robustheit wird nicht durch Steifigkeit erreicht (wie zB bei einem F3B-Flügel aus UHM-Kohle - der hält in der Luft alles aus, bricht uU aber schon beim kleinsten Schlag), sondern durch eine definierte Nachgiebigkeit und Elastizität - nur so kann ein Modell wiederholt Belastungen und Schläge absorbieren, ohne zu ermüden. Darum ist die richtige Wahl der Bauweise und Materialien so extrem wichtig bei großen EPP-Modellen.

Natürlich gibt es Segelflugzeuge, die auch aus EPP im Maßstab 1:3 oder 1:2 nachgebaut werden könnten -  wie zB die "Minibat" (ab 1979) mit 7,62m Spannweite oder die gleich große EPB1 mit ihren 1,5m Flügeltiefe. Aber solche Flugzeuge sind Exoten, deren Flugleistungen heute nicht mehr befriedigen können, während die Fauvel AV36 mit Gleitzahl 30 durchaus mit der Ka6, Lo100 und ähnlichen, mithalten kann.

Erkenntnis 2: Der Maßstab 1:4 scheint eine mechanisch sinnvolle Obergrenze für leistungsorientierte Segelflugmodelle aus EPP zu sein ... zumindest bei den heutigen Materialien und Bautechniken.

Eine geringe Flächenbelastung ist besonders wichtig, um die Fluggeschwindigkeit von Segelflugmodellen zu senken - hier bietet die leichte EPP-Bauweise einen großen Vorteil. Das Gewicht der EPP-Fauvel AV36c ist voll ausgebaut unter 2,7kg bei 91dm² Flügelfläche - damit liegt sie ca. 20 - 50% unter dem Gewicht von vergleichbaren, in Holz und/oder GfK gebauten Modellen.

Bei Elektroantrieb ist der Unterschied noch größer, da ihr Antrieb kleiner und leichter ausfallen kann >>> dreifache Gewichtsersparnis (leichtes Modell + leichter Antrieb + weniger Schwerpunktausgleich bei Druckantrieb).

Um trotz der geringen Flächenbelastung unserer EPP-Scale-Modelle eine gute Dynamik und Durchdringungsvermögen zu erzielen, wurden die meisten Profile von Peter Wick eigens für diese Modelle entworfen und haben sich im praktischen Einsatz am Hang und in der Thermik bereits bestens bewährt.

Erkenntnis 3: Die EPP-Bauweise kann ihren Gewichtsvorteil auch bei Scale-Modellen voll ausspielen.

Um wirklich vorbildgetreu fliegende Modelle zu erhalten, müssen beim verkleinern (zumindest bei kleiner als Maßstab 1:3) einige Parameter angepasst werden ... Profile, Materialien und/oder einzelne Maße weichen vom Original ab, das Vorbild muss aber eindeutig erkennbar bleiben. Diese Modellklasse nennt sich "Semi-Scale" und ist sehr weit verbreitet im Flugmodellbau.

Erkenntnis 4: EPP-Modelle sind maximal "Semi-Scale"

Bei den Abmessungen bleiben wir so nahe wie möglich am Vorbild, doch die Bauweise muss zwangsweise abweichend sein, denn es gibt keine manntragenden Flugzeuge aus EPP ... zumindest noch nicht ;-))  Die treffenste Bezeichnung unserer Modelle ist damit EPP-Scale.

Das Fazit

EPP-Scale-Modelle sind besonders geeignet für Piloten, die ...

  • auf vorbildähnliche und außergewöhnliche Flugmodelle "stehen"
  • beim Modellflug echte Entspannung vom Alltag suchen und nicht nur den "Nervenkitzel"
  • fast überall fliegen (und landen) möchten ...  täglich, unterwegs zur Hangerkundung oder im Urlaub - auch an widrigen Hängen oder Wetterlagen.
  • für Aufsteiger, die dem "Zagi" entwachsen sind und für Experten, die es einfach mal stressfreier angehen wollen.

EPP-Scale-Modelle haben ihre Stärken:

  • das Flugbild und die Flugeigenschaften sind bei richtiger Auslegung und Bau sehr originalgetreu
  • einfaches "handling" am Boden und in der Luft, Unempfindlichkeit beim Transport.
  • schneller Bauerfolg, nur selten besteht Reparaturbedarf durch robuste Konstruktion
  • der finanzielle Einsatz und/oder Bauaufwand ist meist weit unter dem vergleichbarer Modelle, was zur Entspannung beim Hobby ebenfalls beiträgt ;-)

und ihre Schwächen:

  • für manche Modellflieger ist der Bau des Modells die Erfüllung ... solchen Modellbauern geht es beim EPP-Modell viel zu schnell
  • sie lassem ihrem Erbauer viele Freiheiten bei der Gestaltung und beim Ausbau, da muss man manchmal sogar nachdenken?!?
  • man kann nicht mit dem "Wert" des Modells angeben, dazu sind sie zu günstig
  • ihr Pilot braucht ein gewisses Selbstbewusstsein altmodischen Scale-Fliegerkameraden gegenüber - für manche geht EPP und Scale (noch) nicht zusammen.

Kurz gesagt, die Dinger sind nix für eingefleischte Holzwürmer oder adrenalinsüchtige CfK-Junkies ... aber ideal für alle Modellflieger, die Wert auf relaxten Flugspaß legen - wie Du und Ich ;-))